22.03.2018

Würdiger Abschied von Kardinal Lehmann

Pfarrer Zepezauer trug die Mitra beim Trauerzug


Fotos: W. Lich, Bistum Mainz/Matschak

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Am Vorabend der Beisetzungsfeierlichkeiten für Karl Kardinal Lehmann wurde auch in St. Jakobus ein Requiem gefeiert. Mit bewegenden Worten sprach Pfarrer Johannes Zepezauer von seiner letzten Begegnung mit dem schwer erkrankten Kardinal vor wenigen Wochen im Bischofshaus in Mainz. Als Zeichen der Verbundenheit nahmen an dem Gottesdienst auch Pfarrer Dietmar Volke und einige Mitglieder der evangelischen Philippusgemeinde teil.

Eindrucksvoll, würdig und überaus bewegend waren die Trauerfeierlichkeiten zur Beisetzung des toten Kardinals am 21. März. Sie gliederten sich in vier Teile: den Abschied in der Augustinerkirche, wo der Leichnam eine Woche offen aufgebahrt war, den Trauerzug durch die Altstadt, das feierliche Requiem und die Beisetzung in der Krypta des Doms.

Bei dem Trauerzug trugen drei ehemalige Bischofskapläne (Sekretäre) die bischöflichen Insignien vor dem in einem weißen Fahrzeug mit Glasaufsatz gefahrenen Sarg. Zu ihnen gehörte auch unser Pfarrer Johannes Zepezauer, der vor seinem Dienstbeginn in St. Jakobus zwei Jahre dem Kardinal als Sekretär diente.

Der beliebte emeritierte Bischof, der 33 Jahre an der Spitze des Bistums Mainz, zu dem auch Darmstadt gehört, stand, ist in den frühen Morgenstunden des 11. März im Alter von 81 Jahren verstorben. 

Lehmann war der letzte Zeuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) im deutschen Episkopat. Sein Wirken stand im Zeichen dieses Aufbruchs. Bestimmte Reformanliegen haben ihn dabei ein Leben lang begleitet. Dazu gehörten die Fragen der Ökumene, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die Rolle der Frau in der Kirche und der Zölibat. Ökumenisch hat er mit langem Atem die Kirche vorangebracht.

Es war sicher kein Zufall, dass ihm als erstem deutschen katholischen Theologen und Bischof im Jahr 2016, dem Jahr seiner Emeritierung, die Martin-Luther-Medaille des Rates der EKD verliehen wurde. Darüber haben sich auch alle im Ökumenischen Gemeindezentrum in Kranichstein sehr gefreut.

"Brückenbauer" ist das Wort, das am häufigsten in den Erinnerungen an Karl Kardinal Lehmann fällt, so auch bei Papst Franziskus, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder Bischof Peter Kohlgraf. Es ist eine treffende Charakterisierung.

Lehmanns Amtszeit war die drittlängste in der Geschichte des Bistums Mainz, seine letzte öffentliche Amtshandlung die Bischofsweihe seines Nachfolgers Peter Kohlgraf am 27. August 2017. Im September des gleichen Jahres erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholte.

Wolfgang Lich

 


 



 

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