08.02.2013

Ökumenische Fastnachtsliturgie 2013


Foto: Wolfgang Lich

Eröffnungsverse

kath. Pfarrer (KP)

Am Fastnachtssonntag feiern wir
auch wieder in der Kirche hier.

Pastoralreferentin (PR)

Das ist seit vielen Jahren schon
in Kranichstein so Tradition.

ev. Pfarrer (EP)

Der Glaube wird heut' so verkündet,
dass er sich mit Humor verbindet.

PR

Das Bild der Eule schaut euch an:
Nun ist die Narrenweisheit dran.

EP

Die Eule - man bedenk' es wohl! -
ist für die Weisheit das Symbol.

PR

So mag es euch nicht irritieren,
dass sie den Ambo hier soll zieren.

KP

Lasst uns der Weisheit Ehre bringen
und Eulenweisheit nun besingen:

Introitus

Lied von der Eulenweisheit
Mel. "Es war einmal ein treuer Husar"

Gemeinde und "Närrische Schola":

Lasst uns die Zeit / im Glauben besteh'n
und treu die Wege / des Glaubens geh'n.
Die Weisheit führt / uns immerfort.
Die Weisheit liegt / in Gottes Wort.
Die Weisheit führt / uns immerfort.
Die Weisheit liegt / in Gottes Wort.

Die Weisheit lehrt / uns immer Humor.
Willst du 's nicht sehen / bleibst du ein Tor.
Im Dunkel Licht / sieht, wer's bedacht.
Die Eulen seh'n / auch in der Nacht.
Im Dunkel Licht / sieht, wer's bedacht.
Die Eulen seh'n / auch in der Nacht.

1. Verkündigung: Vom reichen Fischfang

EP

Erfolgreich war noch nie ein Gammler!

KP

So zog als Jäger und als Sammler,
geschickt auf Pirsche sich bewegend,
der Mensch seit Urzeit durch die Gegend.

PR

Und um was Gutes aufzutischen,
ging er bisweilen auch zum Fischen.

KP

Der Jagdtrieb hat uns nie verlassen.
Auf Plätzen, Straßen und in Gassen
sind Jäger immer noch am Jagen,
besonders bald, in diesen Tagen,
wenn der Parteien Wahlstrategen
den Kandidatentross bewegen
und von Politikern verlangen
von uns die Stimmen einzufangen.

EP

Ja, ja in diesen Wahlkampfwochen
wird wieder allerhand versprochen.
Man kennt das ja: Mit Augenwischen
will man nach uns'ren Stimmen fischen.
Der Wahlkämpfer, je mehr, je länger
mutiert dabei zum Bauernfänger.

PR

Und mancher will mit kessen Sprüchen
bisweilen auch im Trüben fischen.

KP

Ganz anderes kann uns erzählen
die Bibel: Jesus wollt' erwählen
Apostel, um sie los zu schicken,
uns mit der Botschaft zu beglücken:
Das Gottesreich ist schwer im Kommen,
für Sünder so wie für die Frommen.

EP

Sein Wort kann uns're Sinne schärfen.
Und wenn wir dann das Netz auswerfen,
hol'n wir es bald voll Freude ein:
Es wird voll bester Nahrung sein,
mit Nahrung, die die Seele stärkt.
Wer glaubt, der hat das schnell gemerkt.

PR

Der Herr, der schickt, das ist ganz sicher,
statt Bauernfänger Menschenfischer.
Ja, so ist das genau gewesen.
Man kann's im Evangelium lesen:

KP

Lesung
aus dem Lukasevangelium (Lk 5,1.2.4-6.8.10)

Als Jesus am Ufer des Sees Genesareth stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus...sagte zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten....Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh' weg von mir, ich bin ein Sünder....Da sagte Jesus zu Petrus: Fürchte dich nicht, von jetzt an wirst du Menschen fangen.

1. Responsorium: Lied vom reichen Fischfang
Mel. "An der Nordseeküste"

"Närrische Schola":

So mancher bläst uns seine Botschaft ins Ohr,
doch es sind oft nur Sprüche, man macht uns was vor.
Und auf Bauernfänger, da fall'n wir nicht rein,
denn wir wollen die Jünger von Jesus nur sein.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

Auf sein Wort hin fahren
wir gerne hinaus,
und wir werfen die Netze
mit Schwung wieder aus.  (2x)

"Närrische Schola":

Es klingt sehr verlockend, was mancher verspricht,
doch dem großen Versprecher, dem glauben wir nicht.
Wir geben die Stimmen beim Stimmen nicht ab.
Drum sind wir nicht verstimmt, und wir machen nicht schlapp.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain (2x)

2. Verkündigung: Vom reichen Bauer

KP

Wirtschaftswachstum ist vonnöten,
sonst geh'n Arbeitsplätze flöten.

PR

Wachstum heißt das Zauberwort,
das man hört von Ort zu Ort.

EP

Wachsen sollen Umsatzzahlen,
das läßt Unternehmer strahlen.

PR

Wachsen sollen die Konzerne,
das hör'n Wirtschaftsbosse gerne.

EP

Und wenn alle mehr verdienen,
dann erhellt es alle Mienen.

KP

Winzer wollen Trauben keltern.
Wachsen muss es auf den Feldern:
Wächst der Weizen, wächst der Roggen,
wird's ein Jubellied entlocken
jedem Bauern. Guten Preis
bringen auch noch Raps und Mais.

EP

Wachstum heißt das Zauberwort,
das man hört von Ort zu Ort.

KP

Grenzenlose Wachstumsträume...
aber - niemals wachsen Bäume
in den Himmel, bitte sehr:

PR

Weniger ist manchmal mehr.
Immer mehr - das hilft mitnichten,
weiß die Bibel zu berichten.

EP

Sie erzählt von jenem Bauern,
der vermeintlich als ganz Schlauer
immer mehr dem Feld abrang,
was ihn schließlich dazu zwang,
größ're Scheunen aufzubauen,
um die Ernte zu verstauen.

KP

Roggen, Weizen, Raps und Mais
lohnen nicht des Lebens Preis.
Das lehrt Weisheit allzumal.
Hört es im Original:

PR

Lesung
aus dem Lukasevangelium (Lk 12,16-20)

Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen. Dort werde ich mein ganzes Getreide, meinen Weizen, meinen Mais und meines Raps, meine ganzen Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Iss und trink und freu dich des Lebens. Doch da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurück fordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?

2. Responsorium: Lied vom Raps
Mel: "Schnaps, das war sein letztes Wort"

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

Raps, das war sein letztes Wort,
dann trugen ihn die Englein fort.
Raps, das war sein letztes Wort,
dann trugen ihn die Englein fort.

"Närrische Schola":

Und so standen seine Scheunen
bis zum Dach gefüllt herum.
Und der reiche arme Bauer sah:
Der Schlaue ist oft dumm.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

"Närrische Schola":

Auch mit übervollen Scheunen
bleibt das Leben manchmal leer.
Was dir jetzt gehört, ja, das gehört
vielleicht dir bald nicht mehr.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

3. Verkündigung: Vom untreuen Knecht

EP

Es kommt in den besten Familien vor,
dass einer die Sippschaft bemogelt.

PR

Es kommt bei der tüchtigsten Feuerwehr vor,
dass einer gern zündelt und kogelt.

KP

Es kommt in den heiligsten Kreisen vor,
dass einer was klaut und entwendet.

PR

Es kommt selbst bei Dienern des Papstes vor,
dass einer im Kittchen dann endet.

KP

Die Presse gibt Zunder
und schreibt rauf und runter.
Denn der Kammerdiener,
der war ein Schlawiner.

EP

Es ist nicht erbaulich,
geht das, was vertraulich
an die Journalisten,
die sich damit brüsten:
Beim Papst gibt's Verräter! -
Wer sind da die Täter?

PR

Der Papst war bestohlen, man sagt es nicht gern.
Dem Knecht geht's nicht besser als einst seinem Herrn.

EP

Der Kreis der Apostel schien gut und erlesen,
und dennoch war einer ein Judas gewesen.

KP

Der Papst hat vergeben
nach dem heiligen Brauch.
So ist es im Leben,
in der Bibel halt auch.

EP

Lesung

aus dem Lukasevangelium (Lk 6,13-16)

Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen 12 aus, die er auch Apostel nannte. Es waren: Simon, dem er den Beinamen Petrus gab, sein Bruder Andreas, dann die Brüder Jakobus der Ältere und Johannes, dann Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus der Jüngere, Simon der Zelot, Judas Thaddäus und Judas Iskariot, der ihn verraten hat.

3. Responsorium: Lied von der Untreue und Treue
Mel: Refrain von "Du kannst nicht treu sein"

Gemeinde und "Närrische Schola":

Du kannst nicht treu sein,
nein, nein, das kannst du nicht.
Auch wenn dein Mund uns immer
and'res verspricht.
Doch ist die Reue
ganz ehrlich und ganz echt,
vergibt der Herr und du
wirst noch ein guter Knecht.  (2x)

4. Verkündigung: Von lüsternen Blicken

EP

Seit Adam und Eva ist es schon bekannt,
dass die Menschen verschieden gebaut sind.

PR

Und das macht es gerade so interessant,
dass sie Bräutigam gerne und Braut sind.

EP

Das Glück wahrer Liebe wird jenen zuteil,
die sich Treue auf Ewigkeit schwören.

KP

Dann sagt er zu ihr, sie zu ihm: Alleweil
ist es fest, dass wir zwei uns gehören.

EP

Doch manchmal wird der Casanova geweckt,
und die Blicke beginnen zu spielen.

PR

Und wenn er vielleicht noch ein Dirndl entdeckt,
dann beginnt Casanova zu schielen.

EP

Schnell werden ein paar kesse Sprüche gemacht.
Man verlernt es ganz, sich zu genieren.

PR

Nun, Schwestern und Brüder, nun gebt mal schön acht:
Herr Matthäus hat was zu monieren:

KP

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 5,27.28)

Jesus sagte: Ihr habt es ja gehört, ihr kennt das Gebot: Du sollst treu sein und dein Ehegelöbnis nicht brechen. Ja, ich sage euch: Wer eine Frau mit Begierde und Lüsternheit auch nur anguckt, der wird in seinem Herzen schon untreu.

4. Responsorium: Lied von der wahren Liebe
Mel: Refrain von "In Mainz am schönen Rhein"

Gemeinde und "Närrische Schola":

Der Mensch will fröhlich sein,
und dann wird geküsst und gelacht.
Die Liebe lädt uns ein,
die hat ja der Herrgott gemacht.
Doch ist nicht alles dein,
was dich in Verzückung gebracht.
Auch wenn dein Auge dich betört,
nimm niemals was dir nicht gehört.
Die wahre Liebe, das ist nicht neu,
bleibt ihrer Liebe treu.  (2x)

5. Verkündigung: Von den Heuchlern

KP

So mancher wär' gern ein Hochwohlgeboren,
wär' gerne von Orden und Titeln beglückt.
Mit dem akademischen Rang des Doktoren,
da hätt' er so gern seinen Namen geschmückt.

EP

Doch 's reicht nicht bei jedem zu größeren Taten
der Wissenschaft. Aber, das ist dann nicht schwer,
man spickt mal bei and'ren und mit Plagiaten
wird man zum Herrn Doktor. Das macht ja was her.

PR

Ist alles nichts Neues, gab's zu allen Zeiten,
die alte Versuchung: Mehr scheinen als sein.
Fassade hoch glänzend, doch innen bescheiden,
man schau' einfach nur in die Bibel hinein:

EP

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 23, 27.28

Weh euch, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen, innen sind sie aber voll Verwesung. So erscheint auch ihr den Menschen von außen glänzend, innen aber seid ihr faul.

5. Responsorium: Lied vom Doktorhut
Mel: "Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut"

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

Ich hätt' so gerne auch mal den Doktorhut,
der steht mir so gut, der steht mir so gut.
Dann spricht mich jeder mit Herr Doktor an.
Ich bin ein gemachter Mann.

"Närrische Schola":

Superschlau bin ich ja nicht - ja, ja, ja.
Bin ja nur ein kleines Licht - ja, ja, ja.
Doch es wusste jemand Rat - ja, ja, ja.
Wenn du selber es nicht kannst,
dann schreibe ein Plagiat.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

"Närrische Schola":

Doch wer gern bescheiden lebt - ja, ja, ja
und nicht in den Wolken schwebt - ja, ja, ja,
wer fest auf dem Boden bleibt - ja, ja, ja,
dem geht's gut, auch wenn er kei-
ne Doktorarbeit schreibt.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain mit Textvariation

Drum brauche ich auch gar nicht den Doktorhut.
Es geht mir so gut, es geht mir so gut.
Mich sprechen alle mit dem Namen an,
ohne Doktor vorne dran.

6. Verkündigung: Von der Wandlung

EP

Dass Gotteskinder glücklich werden,
will Gott für uns schon hier auf Erden.
Er gibt uns viele guten Gaben
und will, dass wir viel Freude haben.
Und wenn wir feiern, lachen, scherzen,
gönnt Gott uns das aus ganzem Herzen.

PR

Als Jesus hier auf Erden weilte
und ihn die Einladung ereilte
zu einem Hochzeitsfest zu kommen,
da hat er gerne angenommen.
Hör'n wir die biblische Erzählung,
in Kana gibt's eine Vermählung:

KP

Lesung
aus dem Johannesevangelium (Joh 2, 1f.)

In Kana in Galiläa fand eine Hochzeit statt. Die Mutter Jesu war dabei. Und auch Jesus und seine Jünger waren eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Es standen da sechs Wasserkrüge herum. Jeder Krug fasste ungefähr 100 Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser. Die Diener machten es und füllten die Krüge bis zum Rand. Dann sagte Jesus zu den Dienern: Bringt nun die Krüge zu dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Die Diener brachten die Krüge hin. Der für das Festmahl Verantwortliche probierte das Wasser, das aber zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam. Die Diener wussten es. Da ließ er den Bräutigam holen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor. Und erst wenn die Gäste viel getrunken haben, dann kommt der weniger gute. Du aber hast den guten Wein bis jetzt zurück gehalten.

6. Responsorium: Lied von der Wandlung
Mel: "Wenn das Wasser im Rhein"

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

Wenn durch Wandlung das Wasser zu Wein wird,
wird die Fülle des Lebens uns zuteil.
Es ist Wahrheit, keine Lüge:
Nie sind leer des Lebens Krüge,
und es währt in alle Ewigkeit das Heil.

"Närrische Schola:"

Manchmal, da hat man im Leben es schwer,
manchmal da schwindet der Mut.
Man wünscht sich, dass alles ganz anders wär',
denn wie es ist, ist's nicht gut.
Doch dann heißt es: Kopf hoch und immer voraus.
Wer glaubt, der braucht nie resignier'n.
Und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus,
die Hoffnung soll man nie verlier'n.

Gemeinde und "Närrische Schola": Refrain

Schlusslied
Mel: "Heile, heile Gänsje"

KP

Es geht bei allen Menschen und in jedem Lebenslauf
halt immer wieder mal bergab und wieder mal bergauf.
Doch wenn du fest im Glauben stehst, dann hast du immer Kraft.
Und dankbar sagst du dann von Mal zu Mal: Es ist geschafft.
Wenn so viel Gutes dir geschieht, dann singst du dieses alte Lied:

Heile, Menschenskinder,
es wird bald wieder gut.
Auch ich als armer Sünder
verliere nie den Mut.
Denk' immer d'ran: Gut Ding braucht Weil,
am Ende da ist alles heil.

Gemeinde und "Närrische Schola" wiederholen:

Heile, Menschenskinder ...

 

Copyright: Pfarrer Harald Seredzun 04.02.2013

 

 

 

 

 

 

 

 


 



 

Kath. Kirchengemeinde St. Jakobus