13.02.2012

Fastnachtspredigt 2012


Foto: Wolfgang Lich

Prolog

Frau Gahler

Am Fastnachtsonntag feiern wir
auch wieder in der Kirche hier.
Das ist seit vielen Jahren schon
in St. Jakobus Tradition.
Der Glaube wird heut' so verkündet,
dass er sich mit Humor verbündet.

Pfarrer

Das Bild der Eule schaut euch an:
Jetzt ist die Narrenweisheit dran.
Die Eule, das bedenket wohl,
ist für die Weisheit ein Symbol.
D'rum soll es euch nicht irritieren:
Sie soll den Ambo heute zieren.

1. Thema: Das Haus auf dem Felsen

Frau Gahler

Wer Weisheit sucht, sucht bei den Dichtern,
nach ihrer Worte hellen Lichtern.
Was sie dereinst uns aufgeschrieben,
ist oft als Sprichwort uns geblieben.
So blieb zum Beispiel uns im Ohr
das Wort: Der kluge Mann baut vor.

Pfarrer

Dies Wort hat Schiller uns gegeben
als ein Stück Weisheit für das Leben.
Und als er dieses Wort kreierte,
er in der Bibel wohl studierte.
Denn was der Dichter uns gedichtet,
wird dort ganz ähnlich schon berichtet:

Frau Gahler

Als kluger Mann ein Haus zu bauen,
heißt, auf das Fundament zu schauen.
Ein Haus soll fest auf Felsen stehen.
Dann kann der Sturm es nicht verwehen.
Wer vorher nicht genau geschaut hat
und wer sein Haus auf Sand gebaut hat,
der wird im Sturme untergehen,
sein Haus wird nimmermehr bestehen.

Pfarrer

Ein Haus auf Felsen fest zu bauen,
heißt: Gottes Wort fest zu vertrauen.
So lasst uns klug sein und nicht dumm
und hör'n das Evangelium:

Pfarrer

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 7,24-27)

Jesus spricht: Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heran fluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein, denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heran fluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.

1. Närrisches Responsorium
Mel: Refrain von "Das alte Haus von Rocky Docky"
Lied vom Haus auf dem Felsen

Ja, ja das Haus dort auf dem Felsen
ist felsenfest gebaut.
Das Haus kann man bewohnen,
wenn man auf Gott vertraut.
Ja, ja das Haus dort auf dem Felsen
steht mächtig wie ein Turm,
es trotzt den Wasserfluten,
es trotzt dem stärksten Sturm.

Ja, ja das Haus dort auf dem Felsen
hält jedem Wetter stand.
Es kann nie untergehen,
es steht ja nicht auf Sand.
Ja, ja das Haus dort auf dem Felsen
ist felsenfest gebaut.
Das Haus kann man bewohnen,
wenn man auf Gott vertraut.

2. Thema: Wir sind alle kleine Sünderlein

Frau Gahler

So manchmal kann uns fromme Christen
der Teufel ganz schön überlisten.
Wir achten brav des Herren Weisung.
Wir meiden jegliche Entgleisung.
Wir fühlen uns wohl mehr als minder
als ganz passable Gotteskinder,
die vorzugsweise auch deswegen
mit Ihresgleichen Umgang pflegen.

Pfarrer

Und dabei rutschen wir dann näher
ganz sacht in Richtung Pharisäer.
Wir wollen schön auf Abstand bleiben
zu denen, die es sündig treiben.
Lasst uns mal in der Bibel lesen,
wie es bei Jesus einst gewesen:

Frau Gahler

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 9,9-13)

Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. ... Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

2. Närrisches Responsorium
Originaltext und -melodie
Lied von den kleinen Sünderlein

Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so, 's war immer so
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih'n,
's war immer, immer so.
Denn warum sollten wir auf Erden
schon lauter kleine Eng'lein werden?
Wir sind alle kleine Sünderlein,
's war immer so, 's war immer so.
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih'n,
's war immer, immer so. (Wdh)         Heinz Köm

3. Thema: Tue Gutes und rede nicht darüber

Pfarrer

Heut' zählt es zu den großen Sachen:
Man muss für sich Reklame machen.
Gib nicht nur einen Nasenstüber,
tu' Gutes und sprich laut darüber.
Man meint: Es muss nicht jeder sehen,
ich muss im Rampenlicht da stehen.

Frau Gahler

So manche Prominente spenden
ihr Geld nur, wenn die Sender senden.
Ja, das ist ihre große Masche:
Sie zieh'n den Scheck aus ihrer Tasche.
Die Kamera muss dabei laufen,
so will man Anseh'n sich erkaufen.

Pfarrer

Doch dass die prominenten Spender
den Wohnsitz oft in and're Länder
verlegten nur zum Steuer sparen,
das soll man besser nicht erfahren.
Im Klartext sagt die Bibellehre,
wie Spenden geben richtig wäre:

Frau Gahler

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 6,1 f.)

Hütet euch, eu're guten Taten vor dem Menschen zur Schau zu stellen. ... Wenn du Gutes tust, lass' es nicht vor dir her posaunen, wie es die Heuchler tun, um von den Leuten gelobt zu werden. ... Wenn du Gutes tust, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Deine guten Taten sollen verborgen bleiben. Und Gott der Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

3. Närrisches Responsorium
Mel: Refrain von "Heute hau'n wir auf die Pauke"
Lied von der großen Show

Heute hau'n wir auf die Pauke
und wir spielen die Posaune laut,
dass die ganze Welt uns Beifall
spendet und auf uns're Taten schaut.
So singt man heute gern, so schallt es durch das Land.
Die guten Taten geh'n mit Eitelkeit gern Hand in Hand.
Es wird Rabatz gemacht und alles immer groß zur Schau gestellt.
Die große Schau ist immer das, was heute zählt in uns'rer Welt.
Es wird Rabatz gemacht und alles immer groß zur Schau gestellt.
Die große Schau ist immer das, was heute zählt in uns'rer Welt. (Wdh)

4. Thema: Üb' immer Treu und Redlichkeit

Frau Gahler

Man hört von vielen Hochgelehrten:
Uns'rer Gesellschaft fehlt's an Werten.
Die großen Köpfe diskutieren:
Wie kann man Werte neu kreieren?

Pfarrer

Da kann man den Verdacht wohl schöpfen:
Weisheit wohnt nicht in großen Köpfen.
Werte braucht man nicht neu erdenken.
Man braucht nur neu Beachtung schenken
dem, was die Bibel immer lehrte.
Hier findet man die wahren Werte:

Frau Gahler

Lesung
aus dem Epheserbrief (Eph 4,25 f.)

Legt deshalb die Lüge ab und redet untereinander de Wahrheit. ... Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen. Die Sonne soll über eu'rem Zorn nicht untergehen. Gebt dem Teufel keinen Raum. Der Dieb soll nicht mehr stehlen, sondern arbeiten und sich mit seinen Händen etwas verdienen. Über eu're Lippen komme kein bösesWort, sondern nur ein gutes. ... Jede Art von Bitterkeit, Wut ... und alles Böse verbannt aus eu'rer Mitte. Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.

4. Närrisches Responsorium
Originaltext und -melodie

Lied von Treu und Redlichkeit

Üb' immer Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab
und weiche keinen Finger breit
von Gottes Wegen ab.

Dann wird die Sichel und der Pflug
in deiner Hand so leicht.
Dann singest du beim Wasserkrug
als wär' dir Wein gereicht.

Dann wirst du wie auf grünen Au'n
durchs Pilgerleben geh'n.
Dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
dem Tod ins Auge seh'n.

Dem Bösewicht wird alles schwer,
er tue, was er tu.
Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
die Nacht ihm keine Ruh'.

Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
ihm lacht kein Ährenfeld.
Er ist auf Lug und Trug erpischt
und wünscht sich nichts als Geld.

D'rum übe Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab.
Und weiche keinen Finger breit
von Gottes Wegen ab.         Ludwig Hölty

5. Thema: Nicht in Sorgen untergehen

Pfarrer

Die Menschen sind oft voller Sorgen.
Man fragt sich ängstlich: Was kommt morgen?
Tagein tagaus heißt es nur: Schaffen.
Und aus dem Schaffen wird oft Raffen.

Frau Gahler

Die Menschen rackern und sie schwitzen,
um immer mehr noch zu besitzen.
Und so vergeh'n die Lebensjahre
schnell von der Wiege bis zur Bahre.
Warum so viele Güter horten?
Viel Weisheit liegt in Jesu Worten:

Pfarrer

Lesung
aus dem Matthäusevangelium (Mt 7,25-26)

Deswegen sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben und darum, was ihr essen sollt noch darum, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?

5. Närrisches Responsorium
Mel: "Trink, trink, Brüderlein trink"
Lied vom rechten Lebenssinn

Denk, denk, Menschenskind denk:
Was gibt dem Leben den Sinn?
Denk, denk, Menschenskind denk:
Was bringt dir wahren Gewinn?
Meide die Gier und vermeide die Hast,
sonst wird das Leben zur Last.
Liebe das Lachen und mach' mal 'nen Scherz,
das wird erfreuen dein Herz. (Wdh)

6. Thema: Wandlung schenkt Leben

Frau Gahler

Dass Gotteskinder glücklich werden,
will Gott für uns schon hier auf Erden.
Er gibt uns viele guten Gaben
und will, dass wir viel Freude haben.
Und wenn wir feiern, lachen, scherzen
gönnt Gott uns das aus ganzem Herzen.

Pfarrer

Als Jesus hier auf Erden weilte
und ihn die Einladung ereilte,
zu einem Hochzeitsfest zu kommen,
da hat er gerne angenommen.
Hör'n wir die biblische Erzählung:
In Kana gibt's eine Vermählung:

Frau Gahler

Lesung
aus dem Johannesevangelium (Joh 2,1 f.)

In Kana in Galiläa fand eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. ... Es standen dort sechs ... Wasserkrüge. ... Jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Dann sagte er: Bringt das nun dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Die Diener brachten es zu ihm. Dieser probierte das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam. Die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor. Und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben den weniger guten. Du aber hast den besten Wein bis jetzt zurück gehalten.

6. Närrisches Responsorium
Mel: Refrain "Wenn das Wasser im Rhein"
Lied vom Wasser, das Wein wird

Wenn durch Wandlung das Wasser zum Wein wird,
ist das Zeichen für uns so deutlich klar:
Wenn aus Glauben wir stets handeln,
wird sich alles, alles wandeln,
selbst im Tod ersteht das Leben wunderbar.

Wenn durch Wandlung das Wasser zum Wein wird,
wird die Fülle des Lebens uns zuteil.
Es ist Wahrheit, keine Lüge:
Nie sind leer des Lebens Krüge,
und es währt in aller Ewigkeit das Heil.

Finale
Mel: "Heile, heile Gänsje"

Es geht bei allen Menschen und in jedem Lebenslauf
halt immer wieder mal bergab und wieder mal bergauf.
Doch wenn du fest im Glauben stehst, dann hast du immer Kraft.
Und dankbar sagst du dann von Mal zu Mal: Es ist geschafft.
Wenn so viel Gutes dir geschieht,
dann singst du dieses alte Lied:

Heile Menschenskinder,
es wird bald wieder gut.
Auch ich als armer Sünder
verliere nie den Mut.
's ist immer so: Gut Ding braucht Weil,
am Ende da wird alles heil. (Wdh)

Copyright: Pfarrer Harald Seredzun 13.02.2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 



 

Kath. Kirchengemeinde St. Jakobus